96 HOURS

96 HOURS – TAKEN 3

ACTION-THRILLER „96 HOURS – TAKEN 3“KOMPROMISSLOSER, AUTHENTISCHER UND BEKLEMMENDER WIE ERSCHRECKENDER KRIMI, DER CLEVER, HOCHSPANNEND UND ELEGANT MIT SUBTILER PSYCHOSTUDIE INSZENIERT IST. – FÜR ACTION- UND SPIONAGE-FANS EIN VOLLTREFFER!

Als der mitreißend-klägliche „96 Hours – Taken 2“, 2012, in Frankreich als der bisher größte Erfolg tituliert wurde, war eine dritte Folge unvermeidlich. Die einzige Frage ist: werden Autor und Produzent Luc Besson und Regisseur Olivier Megaton wieder auf und davon flitzen, um dem Publikum eine weitere hirnlose Kavalkade von dubioser Kamera-Action und anmaulenden Macho-Unsinn mit Liam Neeson („Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstone“, 2014) und Forest Whitaker unter den Hammer bringen? Die Antwort ist – ja – in dem Rachedrama „96 Hours – Taken 3”.

Cop Dotzler notiert: Im Schlaf abgenibbelt

96 HOURS 3
96 HOURS – TAKEN 3 Detektiv Dotzler (Forest Whitaker, l.) findet Mills Ex (Famke Janssen, u.) mit aufgeschlitzter Kehle im Schlafgemach ohne Nachthemd.

Es ist ein Moment, schätzungsweise drei Viertel des Weges durch „96 Hours – Taken 3“, wo Bryan Mills (Liam Neeson) – Ruhet in Frieden – A Walk Among The Tombstones, 2014, – der Ex-CIA-Agent, einen des Films tückischen Schurken erzählt, dass er eine harte Zeit durchmacht, um herauszufinden, dass ihn sein Plan (ein drittes Mal) zum Handeln zwingt. Es ist durchaus möglich, dass die Drehbuchautoren Luc Besson und Robert Mark Kamen ihn dort als Witzfigur für das Publikum hereinschneien lassen. Aber selbst wenn es so ist, steuert der grundsätzliche Dialog nicht von der Tatsache weg, dass das Verfolgungs-Komplott von „96 Hours – Taken 3“ weniger zu glauben ist, als dass die Mills-Familie so viel mehr an Pech anzieht.

Die „96 Hours“-Reihe ist mit Unwahrscheinlichkeiten verwurzelt – aber, das kommt jetzt wohl auch überraschend – insbesondere, dass ein 62-jähriger Oscar-Preisträger der schlimmste Albtraum der Bösewichter ist. Liam Neeson hat bereits in so manchen Summer School Film gespielt. Aber diese Rolle ist doch signifikant anders.

Was Sie auch immer über die Albernheit der Serie denken, Liam Neeson hat schon immer seinen Ex-Militär-Mann gestanden. Und das findet das Publikum auch gut so. Sein Bryan Mills lebt ein Drama aus, das sich wie eine Komödie darstellt. Und Luc Besson und Robert Mark Kamens Drehbuch hat Spaß mit diesem Widerspruch. Sie hätten eine abgebrochene Frühstücks-Szene in den Film schreiben können, nur weil Neeson wieder mit seiner Ex Lenore (Famke Janssen) – „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit”, 2014, – im Bett herum macht. Aber, das kommt jetzt wohl erneut überraschend – die Szene findet nicht statt. 

96 Hours 3: Vaterliebe

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96 HOURS – TAKEN 3 Bryan Mills (Liam Neeson, l.) liebt seine Tochter Kim (Maggie Grace) über alles.

Auf der untersten Ebene angekommen, erfüllt diese letzte Fortsetzung die Mindestanforderungen des Genres, die eine kurze Einführung in das schläfrig-häusliche Leben des pensionierten Agenten verschreibt, gefolgt von etwa 75 Minuten aufbrausender Action durch einen Angriff und/oder Mord eines geliebten Menschen. Hier ist es nicht ein Akt der Entführung, der unseren Held abfahren lässt, wie in den ersten beiden Teilen, aber die Abschlachtung seiner Exfrau wird Bryan in die Schuhe geschoben. Technisch gesehen wird niemand ergriffen – ausgenommen das Publikum – eventuell und hoffend, dass eine Achterbahnfahrt abgeht.

96 Hours 3: Dotzlers Dienstmarken-Handy

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„Kennen Sie diese junge Frau?”, grübelt sich Detektiv Dotzler durch Los Angeles’ Einkaufsläden, in 96 HOURS – TAKEN 3.

Wir holen also Ex-CIA-Agent Bryan Mills in einem anderen emotionalen Wirrwarr ein. Wie in „Auf der Flucht“, 1993, macht Bryan die Fliege, um seinen Namen reinzuwaschen und findet die Person oder die Personen, die für das Attentat verantwortlich zeichnen. „96 Hours – Taken 3“ ist nicht brillant, aber der Actioner ist verdammt dämlich, ein Kopf-prügelnder-hau-mich-blau. In einer frühen Szene trifft Mills vor der Haustür seine unglückliche Tochter Kim (Maggie Grace) – „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 2“, 2012, – mit einem riesigen ausgestopften Panda – das perfekte Geschenk von einem lieben Vater, der denkt, dass sein Mädchen immer noch 11 ist.

Oder hätte er ihr eine Knarre schenken sollen? Und dann steht Mills alles andere als vor einem Nervenzusammenbruch: Kim ist unerwartet schwanger, denn Bryan hat auch keine Zeit fliegende Klapperstörche zu beobachten, während Exfrau Lenore nicht mehr ihren zweiten Mann (Dougray Scott) – „My Week with Marilyn“, 2011, – liebt und wieder in Bryans grobes Orbit entschwindet, und: weil Stuart krumme Geschäfte mit den Iwans am laufen hat. Er schuldet den skrupellosen Typen eine Stange Geld. Die Leiche ist schon längst entdeckt, Bryan ist angeklagt und die Schnitzeljagd beginnt, in „96 Hours – Taken 3“.

96 Hours 3: Stuart geht über Leichen

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96 HOURS – TAKEN 3 Stuart (Dougray Scott) kann sich nicht aus den Fängen des russischen Geldhais Oleg Malankov befreien.

Wenn nur Regisseur Megaton den Mut beweist, uns Sci-Fi zu bieten, wie steht es dann eigentlich mit der Aufklärung? Oder ist die Schwangerschaft gewollt? Es hat so den Anschein als ob Kim gegenüber ihrem Dad misstrauisch ist oder im schlimmsten Fall bestimmte Themen bei den Mills Tabuthemen sind. Aber Frauen in „96 Hours – Taken 3“ dienen nur zu einem Zweck: mit vorgehaltener Waffe aus der Gefahrenzone gezogen zu werden.

Indess handelt es sich hier nicht um irgendeine Frau bzw. Frauen (oder Prostituierte), sondern um Bryans Tochter. Und das wiederum scheint vom Papa sehr sinnvoll zu sein, ihr zu helfen, weil Daddy kann ja schlecht seine eigene Tochter mit einer Büchse gegen einen Gruppenvergewaltigungs-Zwang von bösen Männern aus Los Angeles antreten lassen. Obwohl, einige tätowierte Russen zeigen sich verbindlich und entsprechen Mills Bitte mit vorgehaltener Waffe, in „96 Hours – Taken 3“.

96 Hours 3: Mills Lieblingsbeschäftigung

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96 HOURS  – TAKEN 3 Bryan Mills (Liam Neeson, M.) bei seinem Hobby als Rentner, Schurken aufs Kreuz zu legen.

Neeson ist in Top-Kampfform, nicht, dass man seine Bauchmuskeln in den Schlägereien einzuschätzen weiß, weil sich die Kamera so nah am „96 Hours – Taken 3“Geschehen pflanzt, aber man kann wohl sehen, wer wessen Schienbein bricht. Was eine herausragende Verfolgungsjagd ist, mit Neesons unwirksamen Bremsen vor einem 18-Reifen-Sattelschlepper, rädert Megaton den LKW mit nur jeweils zwei Gummis um die Achse.

Allen Gefahren zum Trotz, so zerschnippelnd und unaufdringlich wie eine häusliche Gans tranchiert, sind die großen Action-Standardsituationen ein frenetischer Beifall wie zum Beispiel das herkömmliche Gegenverkehr-Ausweichmanöver, als man über die Leitplanke, die die Verkehrsrichtungen trennt, mit dem Allrad-KFZ hüpft. Und dank des Thrillers bizarrem Engagement ist sogar die FSK-16-Freigabe bei „96 Hours – Taken 3“ todernst. Obwohl sich ein Charakter für einen Kopfschuss-Selbstmord entscheidet, schwenkt die Kamera auf eine gefallene Leiche, die so blutleer wie ein Radieschen aufscheint. Das ist ein Programmkino-Witz.

Die Iwans bevorzugen Suizid statt Wodka

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96 HOURS – TAKEN 3 Mills (r.) wird die Arbeit abgenommen, erledigt vom selbstmordgefährdeten Schurken Maxim (Andrew Howard).

Zumindest Los Angeles – Mills zu Hause und die Einstellung unserer Asphalt-Schlacht, in „96 Hours – Taken 3“  sieht prima aus. Die Sonne ist golden und die Stadt ist gründlich frequentiert, von Malibu bis in die Innenstadt. Als Bonus dürfen wir uns schließlich mit Mills alten Militär-Kumpels herumtreiben, noch die spöttischen Dinge neu entflammend anhören, vielleicht über seine Frau, Lenore, auf dem Golfplatz, und bereit, in die typischen Brich-mir-das-Nasenbein-Gestiken einzutauchen, wenn er sie braucht. Die da natürlich demnächst und (freilich) immer und immer wieder vorherbestimmt passieren.

Neben Den-großen-Verfolgungsjagden-Auswirkungen ist da auch ein kluger Faustkampf in einem Schnapsladen und eine Belagerung auf Malankovs Hochsicherheits-Penthouse, die es alle sämtlich blendend bewerkstelligen, die kinetischen Maßnahmen mit einer klaren Einsicht für Geometrie und Choreographie zu bewältigen. Sie verlieren nie den Überblick, wo Neeson oder seine Feinde herum liegen und was stets auf dem Spiel steht. Es verleiht „96 Hours – Taken 3“ ein Gewicht, das nicht auf der Skriptseite existiert und vom klobigen ersten Akt zu genesen hilft. Der Action-Thriller ist der zweitbeste der Trilogie, und „96 Hours – Taken 3“ tritt und schießt nur deswegen so hart, auf dass Mills den nächsten Tag überlebet.

Mills ist eine härtere Sau als James Bond

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In 96 HOURS – TAKEN 3 kehrt Ex-Regierungs-Agent Mills zurück, dessen Leben erschüttert ist, und als er fälschlicherweise des Mordes beschuldig wird, sprüht er vor Zorn Funken.

Die Schönheit der ersten Folge, „96 Hours“, 2008, ist seine Einfalt – Mädchen wird entführt, Befehls-Papa steigt auf die Barrikaden und tötet halb Paris. Selbst der minderwertige „96 Hours – Taken 2“, 2012, hält die Dinge ordentlich zusammen, wiederbesetzt mit Neeson als der Gekaperte. Diesmal ist Mills die Beute, nachdem er wegen des Mordes an seiner Frau Lenore unter Verdacht steht. Er wird von einem untauglichen Detektiv namens Franck Dotzler (Forest Whitaker) – „Der Butler“, 2013, – gejagt und versucht Lenores Mord zu lösen, derweilen er auch der oft gefährdeten Tochter Kim aus der Ferne das Taschentuch reicht.

Der Rest des Kredits gehört Regisseur Megaton, der meisterhaft explosive Detonationen konstruiert. Megaton setzt auch für die zweite Detonation auf Rücklauf, um uns zu zeigen, wie sein Held entkommt. Es macht aber immer noch mehr Sinn als die Pyrotechniker jener Streifen, die aus mehreren Perspektiven dieselbe Kawumm-Sequenz wiederholt fotografieren.

Pa-halt-mich-fest-ich-bin-schwanger-Szene

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96 HOURS – TAKEN 3 Zeitweise kann man sich nicht dem Eindruck erwehren, dass Mills (r.) eine Dreier-Beziehung unterhält.

Als Mills zu Kim seufzt: „Wenn du wüßtest wie leid mir das alles tut.“ Solange das Publikum gewillt ist, seine Entschuldigen anzunehmen, genießen Sie seine Arschtritte. Es wäre ganz pragmatisch, wenn sich „96 Hours – Taken 3“ einfach nur um Neeson dreht, einen halben Schritt Whitaker voraus oder mindestens eine Schrittlänge, aber stattdessen gibt es eine Reihe von verschachtelten Doppelverhältnissen mit Kims zwielichtigen Stiefvater Stuart und dem russischen Arschloch von Gangster Oleg Malankov (Sam Spruell) – „Snow White and the Huntsman“, 2012. Fügen Sie Kims gerade entdeckte Schwangerschaft ein, und Sie haben einen Schlenker zu viel.

Obwohl er offensichtlich als Oskar Schindler und Rob Roy hervorragend ist, sind diese Spätzeit-Bronson-eske-Rollen diejenigen, die wirklich klarmachen, was für ein erfahrener Schauspieler Neeson ist. Der Dialog in „96 Hours – Taken 3“ ist manchmal ziemlich dumm, aber er verkauft ihn, als ob er zu wüst an die Sache rangeht, ohne dabei haarsträubend auszusehen, und seine zu Grunde liegende Hingabe zu seiner Familie lauert immer hinter seinen Augen, auch als er den bösen Jungs eine Wasserfolter einschenkt.

Der Pensionist dreht Oleg den Geldhahn zu

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96 HOURS – TAKEN 3 Mit aller Gewalt versucht der angeschlagene Oleg Malankov (Sam Spruell, r.) die Kinnhaken wegzustecken.

Es geht darum, wie nervenaufreibend sich Ihre Lieblings-Achterbahn im dritten Anlauf von „96 Hours – Taken 3“ dreht, auch wenn die Action und Verfolgungsjagden ein wenig nachlässig als üblich gebaut sind. Und es gibt ordentliche Gelegenheiten für Bryan, um aus seinem Markenzeichen der harten Vorträge auszusteigen. Aber Spaß beiseite, wer würde das schon gutheißen? „Das wird für Sie übel ausgehen“, warnt ein Polizist, der Bryan zu verhaften versucht (und der Cop, offenbar, hat die ersten beiden Filme versäumt). „Wer wird denn gleich so pessimistisch sein“, schießt Bryan verbal zurück. Seien Sie versichert, dass Bryan mit dem beschäftigt ist, was man „Bewaffnete-mit-den-Armen-und-den-Rücken-unter-Zwang-irgendwohin-führen“ nennen kann, dass die „96 Hours“-Fans mittlerweile erwarten.

Was das bedeutet, ist, dass Bryan am Morgen sein Haus mit einer einzigen geladenen Pistole verlässt, deren Magazin er beim ersten Bösewicht, den er zur Strecke bringt, entleert, dessen geladene Waffe dann aufgreift und dem nächsten Opfer unterschiebt. Hereinlegen, grinsen, wiederholen – bis Bryan schließlich das schwer bewachte Gehege der Superschurken erreicht, aufgebraucht mit vielen Hunderten von fremden Kugeln (und dem gelegentlichen ninjamäßigen, unfähig machenden schweren Schädel-Dampfhammer), bei nur einer lebenserhaltenden Fleischwunde oder zwei. Ein solch wirtschaftlicher Action-Held ist ein bisschen wie ein Dreckspatz.

Dotzler ist Mills stets auf den Fersen

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96 HOURS – TAKEN 3 Der zerknittert-sympathische Dotzler (M.) hinkt Mills permanent mehrere Schrittlängen hinterher.

„96 Hours – Taken 3“ ist sicherlich nicht der beste Thriller der Serie. Unserer Meinung nach, ist das der zweite Film, in dem Bryan und seine Frau entführt werden, sodass Sie ihre Tochter Kim zurücklassen, die einige Heldentaten vollbringt. Der neue Film, 96 Hours – Taken 3, verpasst, was eine offensichtliche Möglichkeit zu sein scheint, um einige der Fähigkeiten auszuschöpfen, wo Kim als Fahrerin eines Fluchtfahrzeugs durch die überfüllten Straßen von Istanbul überzeugt, in „96 Hours – Taken 2“, 2012.

Nun ja. In 96 Hours – Taken 3 sitzt sie auf dem Beifahrersitz, nur darauf wartend, dass die ganze Sache zu Ende geht. Megatons epileptisch-spasmische Action-Sequenzen sind immer noch schwer zu folgen, und es gibt nie einen Vorwand, dass dies mehr ist als ein einfaches Produkt für ein anspruchsloses Publikum. Aber in dieser Reihe ist der Havarie-Schaden ein durchschnittlicher Kostenanteil und Verbesserung. Und wie endet „96 Hours 3“? Wirklich, müssen Sie da noch fragen? Die „Waynekult“-Redaktion wünscht viel Spaß mit dieser klassischen Machart-Milieustudie!

96 HOURS 3

96 Hours – Taken 3; OT: Taken 3, FR 2014; Länge: 103 Min.; Regie: Olivier Megaton; Darsteller: Liam Neeson, Forest Whitaker, Dougray Scott, Maggie Grace, Sam Spruell, Famke Janssen, Leland Orser, Don Harvey; Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen; Kamera: Eric Kress; Musik: Nathaniel Mechaly; Produktion: Luc Besson, Michael Mandaville; Schnitt: Audrey Simonaud, Nicolas Trembasiewicz; Genre: Action; FSK: ab 16; Verleih: Universum Film; auf DVD

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