DER MARSIANER

DER MARSIANER

SCIFI-ÜBERLEBENSDRAMA MARS TRECK: NACH „APOLLO 13“, 1995, „GRAVITY“, 2013, UND „INTERSTELLAR“, 2014, STRANDET REGISSEUR RIDLEY SCOTTS („EXODUS – GÖTTER UND KÖNIGE“, 2014) UTOPISCHER WELTRAUMWESTERN – „DER MARSIANER“ – AUF DEM FIKTIVEN KOSMISCHEN KÖRPER, UND: MATT DAMONS MARK WATNEY ERWEIST SICH ALS VISIONÄRER ACKERBAUER, INDEM DER BOTANIKER AUF DEN ROTEN PLANETEN KACKT, UND AUF DEM BERG FÄKALIEN KARTOFFELN (OHNE POMMES FRITES) KOLONISIERT. – „DER MARSIANER“: VISUELL HERVORRAGENDER GENREMEILENSTEIN, DER ZU BEGINN WITZIG-ANRÜCHIGEN HUMOR IN STEIN MEISSELT, ABER DIE ACTION RUND UM DIE RETTUNGSMISSION KOMMT NICHT IN DIE GÄNGE. SCOTTS HÖHEPUNKT GEIZT JEDOCH NICHT AN VFX-ÜBERLEBEN: DIE KATASTROPHENRAKETE ZÜNDET UNGLAUBLICH UND SCHMIERT HÖCHST DRAMATISCH AB

„Der Marsianer“: Basierend auf dem Debütroman des Schriftstellers und Hobbyastrophysikers Andy Weir, den Veteran Drew Goddard („Buffy – Im Bann der Dämonen“) in ein teils lustig-anstößiges Skript adaptiert, konzentriert sich die Tragikomödie auf Mark Watney (Matt Damon) – „Interstellar“, 2014, der einen „Robinson-Crusoe“-Unfall erleidet und ums Überleben kämpft. In Regisseur Scotts CGI-Marsianer sind die größten Widersacher von Damons Mark Watney die Zeit und die schroff versponnene Felskluftnatur des fremden Sterns sowie der Weltraum selbst: „Ich werde dem Mars das Fürchten lehren!“, insistiert der Pflanzenkundler vulgär – frei nach seinem Stuhlgang …

Mann auf dem Mars mit Berg Rover

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DER MARSIANER Mark Watney (Matt Damon) hängt voraussichtlich für immer auf dem roten Planeten ab.

Die bemannte „Ares-3“-Mission ist auf der Erde eingetütet und im Weltraum auf dem Mars abgeschlossen, Gesteinsproben sind vermutlich zuhauf an Bord getragen, und eigentlich heißt es jetzt nur noch mehr ab nach Hause, als ein böser aus heiterem Himmel Sandsturm das Schiff kapert und Mark Watney (Matt Damon) – „Interstellar“, 2014, – vom Rest der Mannschaft abschneidet. Ausgerechnet der Funk fliegt Watney um die Ohren, die wichtigste Kommunikationseinheit eines Astronauten, besonders im Außendiensteinsatz. Eine vom Wind angetriebene Antenne spießt ihn auf und schleudert Watney bis zur Ohnmächtigkeit hin und weg. Als er wieder das Bewusstsein erlangt, findet er sich als Schiffbrüchiger auf dem Mars alleine vor und alsbald zurecht.

Potz Blitz! Licht und Schatten

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DER MARSIANER Das Team führt eine prüfende Inaugenscheinnahme ob des heftigen Orkans durch: Es graupelt Sandkörner!

Nach der Sturmklemme der Hermes, dem sogenannten Raumfahrzeug, erteilt Käpt’n Melissa Lewis (Jessica Chastain) – „Crimson Peak“, 2015, – den Abflugbefehl, um sich offenbar keinen Sand ins Getriebe zu streuen, angeführt von einer Mannschaft – die den Piloten Rick Martinez (Michael Peña) – „Ant-Man“, 2015, –, den Witzbold der Crew, und Beth Johanssen (Kate Mara) – „Fantastic Four“, 2015, –, das wortgewandte Computerass sowie Dr. Chris Beck (Sebastian Stan) als auch den deutschen Geologen Alex Vogel (Aksel Hennie) umfasst – führt uns „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ ein paar Minuten später allmählich zu einer Schiffsladung von Schwierigkeiten und den dazu aufgezählten Nebendarstellern, die für das Desaster verantwortlich zeichnen.

„Houston, wir haben ein Problem!“

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DER MARSIANER Der NASA-Sitz in Houston, Texas, leitet die Raumflüge und überwacht alle Abschüsse zur internationalen Raumstation ISS.

Glaubend also, dass man Watney retten kann, hebt die Besatzung wie der Film episch ab, der sich zu einer Geschichte von zwei Planeten mit zunächst konkurrierenden Erzählungen anschickt: eine die Watneys Bemühungen einfach am Leben zu bleiben einbezieht, und die Zweite zentriert sich auf die Postkatastrophe, wo die nationale Aeronautik- und Raumfahrtbehörde eine Überlebensstrategie in „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ entwirft, um eine Universumsodyssee unseres Schiffbrüchigen zwischen den unterschiedlichen Welten zu manifestieren – eine spannende Thematik, die den Zuschauer in „Der Marsianer“ kaum in Anspruch nimmt. 

Stirnrunzelnd: NASA-Direktor

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DER MARSIANER Besorgter NASA-Direktor Teddy Sanders (Jeff Daniels) leitet unverzüglich eine kostspielige Rettungsmission ein.

Teddy Sanders (Jeff Daniels) – „Dumm und Dümmehr“, 2014, – als der Direktor des Raumfahrtprogramms, wie auch Vincent Kapoor (Chiwetel Ejiofor) – „Vor Ihren Augen“, 2015, –, der Missionsdirektor mit der größeren Kragenweite, der Sanders zusehends unter finanziellen Druck setzt (eine Rettungsmission dieses Ausmaßes könnte die NASA in den Bankrott treiben), um Watneys Bergung für die Öffentlichkeit als höchste Priorität einzustufen und voranzutreiben, da Kapoor den zugeknöpften Weg der zweierlei Maßstäbe angelegten Moral nicht beschreitet. Und Annie Montrose (Kristen Wiig) – „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“, 2013, –, die an der kurzen Leine gehaltene Chefin der PR-Abteilung der NASA, müssen durch den Medienhatzalbtraum, als die Verantwortlichen realisieren, dass der verschollene Botaniker noch am Leben ist…

Fällt Antenne zum Opfer

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DER MARSIANER Mark Watney erliegt fast einer Stabantenne, die sich in seinen Bauch bohrt.

Allerdings ein wenig erschöpft und verschwitzt, weil von der Antenne leicht angespitzt, endet Mark Watney nach einer persönlichen chirurgischen Operation (wo er sich das scharfe Ende der Antenne entfernt) auf dem Mars, aber trotz allem unbeschadet, zumal er seine Intelligenz und Erfindergeist nutzt, und: da die nächste Möglichkeit nach Hause zu fliegen erst wieder in vier Jahren ansteht, muss er sich auf die Socken machen, um an der „Ares-4“-Mission termingebunden teilzunehmen. Doch bis dahin wird er wohl verhungert sein, weil er mit den Vorräten an vakuumversiegelten Packungen von hühnchensüßsauer maximal noch 50 Tage Hauszuhalten weiß.

In Mathe eine Eins

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DER MARSIANER Watney, der Rotstift, teilt die Nahrungsbehälter auf und rechnet vor, wie viel Geflügel er streichen kann.

Einher mit dem Zählen und listenmäßigen Erfassen vorhandener Bestände – er besitzt viele Musikstücke von Käpt’n Lewis, aber nicht genug Luft, Wasser und Nahrung, um lange über die Runden zu kommen – macht sich Watney an das Geschäft des Lebens heran, einschließlich der Landwirtschaft: „Ich werde hier nicht sterben!“, fügt er hilfsbereit an und übermittelt eine Menge an täglichen Grundsätzen ins Videoprotokoll, die er für die Nachwelt in seinem Weltraumtagebuch aufzeichnet. „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ insgesamt hält den Eintrag eines animierten Tratsches griffbereit, der sich einem vertraulichen Skype-Plausch nähert.

Bestellt Land und Biotop mit Jauche

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DER MARSIANER Ackerbauer Watney züchtet auf dem Mars Feldfrüchte groß.

Watney nutzt seine Fäkalien als Dünger, um letztlich Kartoffeln in einem Heimwerkertreibhaus anzubauen. Dafür bastelt er auch einen behelfsmäßigen Kasten, woraus er das künstliche Kondenswasser gewinnt und damit seine nun wachsenden Kartoffeln gießt. Ähnlich wie Oscarpreisträger Tom Hanks im Gespräch mit dem Volleyball namens Wilson in „Cast Away – Verschollen“, 2000, erzählt Damon den Erdäpfeln, dass er technisch der erste Mann ist, der den Mars kolonisiert, weil Watneys Fähigkeit, die komische Absurdität seiner Zwangslage selbst in Momenten der extremen Gefahr zu sehen, von seinem untrennbar eisernen Willen am Leben zu bleiben abhängt.

Auf Biegen oder Brechen

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DER MARSIANER Das Panzerglas des goldenen Schutzhelmes geht in die Brüche, als Watney mit dem Kopf mehrmals aufschlägt.

Auf den Plan tritt natürlich das Bestreben für Watneys beschleunigte Rettung, die auf die Vom-alten-Schlag-Wissenschaft angewiesen ist, auch wenn ein Teil der Technik einer „MacGyver“-Schaupackung entspringt, wo Watney mit flächendeckendem Klebeband den Luftauslass seines defekten Helmes unterbricht. Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ ist durchwegs lustig bis absurd, eine Extravaganz, die zwar bei dem Thema zur Skepsis Anlass gibt, die das Publikum aber auch von Altmeister Eastwoods führenden Männern im All aus „Space Cowboys“, 2000, kennt und in aller Ausführlichkeit als seriös tadelt.

Obwohl „Der Marsianer“ zunächst isoliert ist, beileibe nicht mit angemessenen Mitteln der Kommunikation zur Erde, bedeutet die parallele Schilderung, dass er nie wirklich allein ist. Das ist auch der grundsätzliche Unterschied zu „Cast Away“. Während Damons Watney später seine großen Botschaften vom Mars auf die Erde transferiert (er gräbt das „Pathfinder“-Gerät aus, mit dem er sogar eine Videoverbindung herstellt), sieht Hanks’ Noland mehr Insel (im Vergleich zu Damons Watney) als Festland.

Panoptikum des Wüstenplaneten

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DER MARSIANER Mark Watney verschmilzt geradezu mit der wunderbar-sonnigen Green-Screen-Marslandschaft.

Aber dennoch ist die letzte halbe Stunde dramatisch gesehen von „Der Marsianer“ ein rätselhaftes Unterfangen. Speziell der Akt, in dem Watney vom Mars aus mit seiner Trägerrakete zündet, und den Kopf, also die Spitze des Torsos abwirft, und durch Fallschirmistgleich-Abdeckplane ersetzt, um anschließend von seiner alten Mannschaft durch Käpt’n Lewis im schwebenden Astronautenstuhl (im Orbit) praktisch mit Sicherheitsseil umwickelt auf den Arm genommen wird. Höhepunkt: Ein Loch im Handschuh dient Watney als Steuerdüse. Hier verliert „Der Marsianer“ viel an Glaubwürdigkeit, weil sich Watneys Fantasiegebilde einer Rettungsaktion ohne reale Grundlage zur Schose entwickelt. Für Cineasten der Tipp: Brian De Palmas „Mission To Mars“, 2000, ist die spannende Alternative …

The Martian | OT | Der Marsianer: Rettet Mark Watney, USA 2015 | LÄNGE | 144 Min. | REGIE | Ridley Scott | DARSTELLER | Matt Damon | Jessica Chastain |Jeff Daniels | Kristen Wiig | Michael Peña | Kate Mara | Chiwetel Ejiofor | Sean Bean | DREHBUCH | Drew Goddard | KAMERA | Dariusz Wolski | MUSIK | Harry Gregson-Williams | PRODUKTION | Aditya Sood | Michael Schaefer | Simon Kinberg | SCHNITT | Pietro Scalia | GENRE | Scifi-Abenteuer-Drama | FSK | ab 12 | KINOSTART | 8. Oktober 2015 | DVD-START |  18. Februar 2016 | TV-PREMIERE | 10. September 2017 | PRO 7 | VERLEIH | 20TH CENTURY FOX DEUTSCHLAND.

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