SPECTRE

SPECTRE

SPIONAGE-ACTIONTHRILLER DER LEGENDÄRE SPITZEL, JAMES BOND (DANIEL CRAIG), IST IN SAM MENDES’ (SKYFALL, 2012) SPECTRE AUF SEINEN SCHLIMMSTEN ERZFEIND HEISS WIE FEUER: BLOFELD (CHRISTOPH WALTZ) ZWINGT DEN UNAUSLÖSCHBAREN MI6-SCHNÜFFLER IN DIE KNIE, ABER DER GAFFER JAGT DESSEN GLOBALE INTERNETGEHIRNWÄSCHE HOCH, BIS DIE GLASFASER AUS DEM LETZTEN LOCH PFEIFT. – DAS UPDATE FÜR BONDULTRAS: KNALLHARTES UND ETAPPENWEISE TECHNISCH AUFGEBLASENES KRIMISCHAUERMÄRCHEN 

SPECTRE

Spectre: James Bond – von Daniel Craig zum vierten  Mal gespielt – findet sich in Regisseur Mendes’ (Skyfall, 2010furchtsamer Geschichte in einer Foltermaschine, James wird vom Dienst beurlaubt, Nanotechnologie in seine 00-Blutgruppe geschossen (um ihn allerorts aufzustöbern), er versenkt seinen maßgeschneiderten Aston Martin DB10, und: Der populärste Agent aller Zeiten verliebt sich in seine bezaubernde Psychiaterin Léa Seydoux (Grand Budapest Hotel, 2014).

Stante pede in Mexico City

SPECTRE
SPECTRE James Bond (Daniel Craig, M.) schnüffelt am „Zócalo“-Platz, wo er den Terroristen Marco Sciarra töten soll.

Der 24. Film über den britischen MI6-Agenten mit der Lizenz zum Töten ist ein knallharter und gelegentlich lasziver als auch fahrlässiger wie flüchtig-düsterer Kriminalfall. Viele Situationen in „Spectre“, beginnend mit dem schlüpfrigen octopussyesken Vorspann, beziehen sich auf Themen, Szenen oder Charakteren aus früheren James-Bond-Filmen. Sie beabsichtigen an die verschachtelten Ausarbeitungen des Vorgängers, „Skyfall“, 2012, anzuknüpfen und setzen den Plot von „Casino Royale“, 2006, und „Ein Quantum Trost“, 2008, phlegmatisch fort.

In den meisten Fällen sehen wir den Geheimagenten James Bond (Daniel Craig) – „Skyfall“, 2012, –, der bei einer hoch technologisierten Bedrohung aus der Reihe seiner schlimmsten Kontrahenten – der Blofeld-Sippe, hier: Ernst Stavro Blofeld, der die Menschheit einer globalen Gehirnwäsche per Internet unterzieht – die Sache altmodisch ohne Mausklick und soziale Medien aus dem Weg räumt. Blofeld und dessen diabolische weiße Katze kennen wir bereits aus „Man lebt nur zweimal“, 1967, „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, 1969, und „Diamanenfieber“, 1971.

„Tag der Toten“-Maskenball

Spectre
SPECTRE James hängt mit Estrella (Stephanie Sigman, l.) als Schreckgespenst auf dem Gedenkgottesdienst ab.

Obwohl sich der Inhalt als inoffiziell herausstellt (unser Mann vom MI6 versucht es auf eigene Faust, da er auf unbestimmte Zeit suspendiert ist) – es handelt sich um das letzte Vermächtnis von Judi Denchs M (die in „Skyfall“ an den Folgen einer Verletzung verblutet), einer Videobotschaft, die sie Bond per Post (vor ihrem Ableben) in die Hände spielt und den Agent mit den Worten beauftragt: „Töte Sciarra, James!“ – ist Bond in Mexico City beschäftigt eine bombastische Terrorzelle zu entschärfen, entkommt dabei freilich einem einstürzenden Gebäude, dass er höchst selbst mit einer Panzerfaustkanone hinter sich lassend abreißt. Wie in den anderen Vorläufern entspricht der Sprengstoff des Altbaus einer Karikatur, wo sich Bond (nachdem das Hochhaus in sich wie ein Kartenhaus zusammenkracht), sitzend auf einem Sofa wieder findet, kurz schüttelt, und weiter marschiert.

Im Angesicht des Todes

SPECTRE
SPECTRE Bond jagt mit einem handlichen Schießprügel ein Gebäude und internationale Auftragskiller in die Luft.

Bond schmeißt im Handgemenge Marco Sciarra (Alessandro Cremona) und den Piloten aus schwindelerregender Höhe aus dem Heli und landet den nach unten zwirbelnden Hubschrauber führerlos. Und Bond kann freilich Sciarras Ring, auf dem ein mehrarmiger Krake eingraviert ist, vom Finger ziehen, bevor sich das Flugobjekt in Rauch auflöst. Die obligatorische und heldenhafte Eröffnungssequenz ist wie in allen Bondfilmen klassisch als auch grotesk-unterhaltend und gehört in „Spectre“ zu den spannenden Actionsequenzen.

Danach zwirnt sich der Agententhriller in einen unerhört schaurig-lasziven Bilderrahmen, durch den uns die geheimnisvolle Geschichte mit einem lose gruftigen Optikfilter begleitet. Und was auch noch Premiere abfeuert, ist die Tatsache (was Bonds Umstürze betrifft), dass er vorzugsweise willkürlich als Sieger vom Platz schleicht, als mehr durch seine Fertigkeiten, siehe die Aufstände gegen den Stiernacken Mr. Hinx (Dave Bautista) – „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“, 2017, –, erst die SUV-Hatz, dann der Bierfässer-Faustkampf.

Alpiner Überflieger geerdet

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SPECTRE Bond ist in lebensgefährlichen Situationen lässig  und locker bis unterkühlt und allzeit schussbereit unterwegs.

Das Metallband, mit einem heimtückisch aussehenden Symbol von einem supermanischen „Man Of Steel“-Polypen, entpuppt sich als der Schlüssel für die weltweiten Anschläge und dem Rest der Handlung, die Bond nach Rom, gefolgt von den österreichischen Alpen, und einem Hotel namens L’Americian in Marokko führt. Das Schmuckstück ist auch das Signum für „Spectre“, einer wahnsinnigen Gentlemen-Liga, die krumme Dinger auf dem Internet dreht und der naturgemäß der Stecker gezogen werden muss, um die Menschheit vor dem Fake-News-Untergang zu bewahren.

Denn: Ernst Stavro Blofeld, auch als Franz Oberhauser (Christoph Waltz) – „Legend Of Tarzan“, 2016, – bekannt, weiß das Informationen heute alles bedeuten. Der große Wurf ist das nicht, doch beiläufig, entsprechend den analogen 08/15-Treibjagden, ist das Wi-Fi-Konsortium das große metaphorische Übel dieser Welt und nicht weiter erklärungsbedürftig. Hauptsache von Grund auf in seiner ganzen Bandbreite böse.

Im Netz der schwarzen Witwe

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SPECTRE Sciarras Ehefrau Lucia (Monica Bellucci, l.) erwartet James mit untersetzt üppiger Regung.

In Rom reist Bond zu Sciarras Beerdigung, wo er dessen Frau Lucia (Monica Bellucci) – „Land der Wunder“, 2014, – trifft und ihr das Leben vor den Mördern des kriminellen Überwachungsnetzes zur Steuerung der Welt rettet. Von dem dubiosen Frauenzimmer erfährt er, wo sich die zwielichtige Verbindung verschanzt, um der rätselhaften Zunft einen tödlichen Besuch abzustatten. In dem fahlen Unterschlupf begegnet Bond zum ersten Mal seinem schlimmsten Albtraum: Ernst Stavro Blofeld alias Franz Oberhauser, den Bond in „Spectre“ bislang nur als „Blasser König“ vom Hörensagen kennt, was sich aber später als Trugschluss herausstellt, denn der käsige Monarch ist Mr. White (Jesper Christensen) aus „Ein Quantum Trost“, 2008. Und der ausgediente und welke Machtmensch bittet Bond darum seine Tochter, Madeleine (Léa Seydoux) – „Blau ist eine warme Farbe“, 2013, –, zu beschützen.

Bonds Vorsteher und Boss

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SPECTRE Chef des MI6 – M (Ralph Fiennes) – ist Leiter des britischen Auslandsgeheimdienstes.

Zurück in London, kreuzen wir Ralph Fiennes – Ersatz von Judi Denchs M – der über Bonds eigenmächtige Vorstellung in Mexico City tobt. Ben Whishaw ist der Computer kapierende Q, dem es nicht gelingt die geistreichen Bemerkungen zwischen ihm und Bond für das Publikum witzig darzulegen, was zugegeben am Skript liegt, aber durchaus ein Novum der Reihe ist. Seine technischen Apparaturen fallen weniger ausgefallen aus, obgleich das Q in „Skyfall“ selbstironisch mit der Tatsache begründet, dass explodierende Stifte – eine Anspielung auf „GoldenEye“, 1995, – von der Abteilung nicht mehr entworfen, und: genau jene von derselben Bauart gerichtete Sondervorrichtung befreit Bond in „Spectre“ vor der peinigenden Qual Blofelds.

Auch rührt sich Bond keinen Wodkamartini an, den der Zuschauer bereits von der Liste der Daniel-Craig-Filmreihe strich, stattdessen tischt sich der persönliche geschüttelte nicht gerührte Drink an der Theke als Biosaft auf. Und Miss Moneypenny (Naomie Harris) – „Southpaw“, 2015, –, die Bonds Charme für gewöhnlich nie widersteht, angelt sich auch schon Mal 006 ins Bett. „Spectre“ ist handwerklich solide inszeniert und sporadisch elegisch-mysteriös, jedoch ist die dünne Handlung nicht ganz geheuer als auch die Actioneinheiten (2 Autoverfolgungsjagden, 1 Faustkampf im Zug plus die Tortur Blofelds) aus etlichen anderen Bondteilen aufgewärmt. Das eher künstlich aufgedonnerte Spektakel haben wir schon x-mal besser gesehen, bleibt unoriginell, aber für Kenner des kultivierten Detektivs ist die Fortsetzungsfolge „Spectre“ ein absolutes Muss …

James Bond 007 – Spectre | OT Spectre, USA 2015 | Länge 148 Min. | Regie Sam Mendes | Darsteller Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ralph Fiennes, Ben Whishaw, Monica Bellucci, Naomie Harris, Dave Bautista, Andrew Scott, Rory Kinnear | Drehbuch John Logan, Neal Purvis, Robert Wade, Jez Butterworth | Kamera Hoyte Van Hoytema | Musik Thomas Newman | Produktion Michael G. Wilson, Barbara Broccoli | Schnitt: Lee Smith | Genre Spionage-Actionthriller | FSK ab 12 | Verleih Sony Pictures Germany | Kinostart 5.11.2015 | TV-Premiere 7.1.2018 | ORF 1

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