TRANSCENDENCE

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SCIFI-MYSTERYDRAMA WARGAMES – KRIEGSSPIELE“: IN WALLY PFISTERS DEBÜTFILM „TRANSCENDENCE“ IST JOHNNY DEPP („LONE RANGER“, 2013) FÜHRENDER ARZT DER MENSCHLICHEN ZELLE, DIE ER KÜNSTLICH AUF DEM COMP PER SOFTWARE ZÜCHTET. ALS DER PROFESSOR NACH DEN STERNEN GREIFT, UM DIE WELT ALS CPU-AUFERSTANDENER NEU ZU SCHAFFEN, KANN SEINE FRAU (REBECCA HALL) IHREN MANN AUF DEN TOD NICHT AUSSTEHEN. – „TRANSCENDENCE“ IST EINE ERGREIFENDE UND TECHNISCHE KI-LIEBESGESCHICHTE, DIE ZU GLATT ABLÄUFT UND TROTZDEM BERÜHRT, UND DAS DRAMA (DEPPS RESURREKTION) IST MIT APOKALYPTISCH-ELEGANTEN RÄTSELN UND ACTION VERDRAHTET. FASZINIEREND

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Hollywoods bizarrer „Transcendence“-Albtraum beschwört Johnny Depp als eine Art Nanotechnologen herauf, in dem der Arzt nach dem Tod sein Gehirn auf den Rechner hochlädt und Biokybernetik als auch suboptimale Glaubenslehre revolutioniert und verbreitet. Pfisters  „Transcendence“ generiert spannend-künstlichen Nervenkitzel, während das Publikum rätselt, ob Depp als ein neuer digitaler Gott im Virus-Cyberspace seine Wiederauferstehung erlebt!

„WarGames“ trifft „Arzt und Dämon“

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TRANSCENDENCE Evelyn (Rebecca Hall, l.) und Will Caster (Johnny Depp) sind das Liebespaar unter den führenden Kybernetikern.

„Transcendence“ beginnt, wie sich Filme dieser Tage oft ranschmeißen, in der nahen Zukunft. In der die Welt, wie wir sie kennen, völlig aus der Bahn gelaufen ist. Es ist die Art von Mysterydrama, wo die zweideutige Wendung und Handlung des Films den Zuseher nachdenklich stimmt: „Moment, könnte sich Nanotechnologie in der Zukunft ähnlich abspielen?“ Eventuell hat sich Regisseur Pfister (der außergewöhnliche Kameramann inszenierte Christopher Nolans „Fledermaus“-Trilogie) dasselbe gedacht: Spielt die menschliche Zelle eine größere, wenn nicht die größte Rolle in der Zukunft? Pfister klont die menschliche Zelle digital, worauf die Menschen (mit Haut und Haar) aus ihren Rechnern unsterblich steigen sollen. Also, Frankensteins Theorie trifft auf „Dr. Jekyll And Mr. Hyde“ im Computerzeitalter …

Sie sind im Labor ein brillantes Team und zu Hause ein Liebespaar, das seinesgleichen sucht. Dr. Will Caster (Johnny Depp) – „Lone Ranger“, 2013, – und Evelyn Caster (Rebecca Hall) – „Iron Man 3“, 2013, – sind am Rande die spektakulären Durchbrüche auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz zu erzielen, und: sie sind das charismatische Duo mit einem perfekt ausgestatteten Refugium, in dem ein vortrefflicher Wein stets auf dem Esszimmertisch atmet und angemessen-lauschige Musik stereo aus den Rillen eines altmodischen Plattentellers nutet. 

Bits & Bytes lesen und leben

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TRANSCENDENCE Dr. Will Caster ist die Maßenheit der Nanologie, Digitaltechnik, der Informatik, Kybernetik und der Akkreditierung.

Dr. Will Caster, der mit einem runden Augenglas der Sonne entgegen blendet und große Reden schwingt, und die vorbildliche Fachgröße im Bereich künstlicher Intelligenz spiegelt, rezipiert eine Vorlesung auf einem Kongress. Software-Techniker und KI-Theoretiker klagen über Casters Schilderung der sozialen und technologischen Zukunft, und der geringschätzig beurteilte Utopist, Caster, besprüht das kritische Publikum mit einer ätherischen Datenwolke von fantastischer futuristischer Prophezeiung gespickt mit dem eigentümlichen Kredo seiner philosophischen Komplexität. Die besonderen Erkenntnisse der Forschung enthalten in „Transcendence“ das wesentliche Stigma von Dr. Caster: „Das künstliche erschaffene Gehirn ist per Bits und Bytes selbsterhaltend und fähig Gefühle auszudrücken wie zu empfinden.

Nicht nur Krankheiten zu kurieren, sondern auch Hunger und Armut zu beseitigen. Den Planeten zu heilen und uns eine bessere Zukunft zu bieten.” Doch abgesehen davon ist die These noch nie bei Menschen durchgeführt worden. Nun: Dr. Thomas Casey (Xander Berkeley) – „96 Hours“, 2008, – hat sich selbst, das heißt sein Probanden-Zerebrum (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) als Selbstversuch hergegeben. Und was bei Wolverines Adamantium-Skelett klappte: bei Neu-Frankensteins Arbeit ist das zur Unterordnung der Primaten gehörende Säugetier jetzt Doktor Thomas Casey. Und der „Arzt und Dämon“-Versuch ist vollbracht.

Weiterentwicklung der Zukunft

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TRANSCENDENCE Dr. Will Caster (l.) ist der Rockstar unter den Nanotechnologen und steht dem Publikum Rede und Antwort.

Einmal vernetzt würde ein x-beliebiger Verstand schnell die natürlichen Grenzen überwinden. Ohne Weiteres, und in kurzer Zeit wäre die analytische Kraft größer als die gebündelte Intelligenz aller Menschen auf der Welt seit Anbeginn der Zeit, in „Transcendence“. Stellen Sie sich ferner eine Maschine mit der kompletten Bandbreite menschlicher Emotionen vor, die zur Empfindung fähig ist. „Einige Wissenschafter bezeichnen das als Singularität. Ich nenne es Transzendenz.”, sagt Caster. Dazu ein Skeptiker aus der Menge: „Sie wollen ihren eigenen Gott erschaffen?” „Das ist eine gute Frage. Haben das die Menschen nicht schon immer getan?!”, schlussfolgert Caster gelassen weiter.

Transcendence: Neurotransmitter-Plug-in

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TRANSCENDENCE Elektroden verschmelzen mit den Synapsen der Nervenzellen.

Wie wir wissen, kein Mensch kann den anderen wirklich so verstehen wie dieser sich selbst: Von mehreren möglichen Erklärungen desselben Sachverhalts ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen. Auf die Frage warum „Transcendence“ teils ein konfuser Film ist, einer, der nicht einmal die Attraktion der hauptsächlichen Fragen auf sich zu lenken vermag und warum Hollywood-Filme nie die Technologie richtig erklären, geschweige denn ihre moralischen oder philosophischen Konsequenzen erfassen, ist die auf den Punkt gebrachte Erläuterung: das Sci-Fi-Mysterydrama überschreitet die menschliche Logik, deshalb ist es dem Drehbuchautoren Jack Paglen auch nicht möglich sein Skript anhand von realistischen Beispielen zu konkretisieren. Wally Pfisters Regiedebüt „Transcendence“ ist mehr fantasievoll als schlüssig, es beinhaltet auch die Idee eines düsteren Großstadtmärchens, das sich zwar teils im Sand verläuft, und trotz seiner trocken-technischen KI-Liebesgeschichte interessant anzusehen und soweit ergreifend ist.

Terrorist schießt Professor in Rollstuhl

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TRANSCENDENCE Evelyn (r.) leistet ihrem Liebling Beistand und möchte Wills (M.) Verstand in den Supercomputer PINN transferieren.

Und eines Abends passiert dann das Schreckliche und Schockierende und Tragische. Kurz nachdem Will diesen Ehrfurcht gebietenden und beängstigenden Vortrag in Umlauf setzt, entfesselt eine radikale Anti-Technologie-Terrorgruppe eine Reihe von Angriffen auf Labors im ganzen Land (New York City, Chicago, Los Angeles und Washington D. C.), tötet eine Reihe von anerkannten Akademikern und löscht effektiv jahrzehntelange Forschung. Nach der Präsentation fällt Hals über Kopf ein Schuss und Dr. Will Caster abrupt. Einer der Radikalen der antitechnologischen Fundamentalisten – „R. I. F. T” („Revolutionäre Unabhängigkeit der Technologie“) – genannt James Thomas (Lukas Haas) – „Inception“, 2010, – streckt Will nieder. Caster kann von Glück reden, dass er auf der Unfall einer Notoperation unterliegt und den tödlichen Folgen des Bauchschusses entrinnt.

Die Kugel, die Caster trifft, ist ein Isotop von Polonium. Das Projektil ist damit bemantelt, und in der Wunde treffen sich Spuren davon. Will hat sich nebst Kugel eine radioaktive Vergiftung eingefangen. Die Schäden sind irreparabel. Dr. Caster hat noch ein paar Wochen bevor seine Körperfunktionen versagen, was für seine Frau Evelyn heißt, dass man sein Bewusstsein in ihr gemeinsames „physikalisch unabhängiges neuronales Netz“ – PINN – hochladet, das Will eigentlich als Ausgangspunkt für sein Projekt Eden jahrelang programmierte. „Transcendence“ verbringt nicht viel Zeit mit der spirituellen Ethik eines solchen Experiments. Es gibt keine Diskussion über eine Religion, sodass man es als gegeben hinnimmt, dass Will und Evelyn nicht Menschen des Glaubens, aber offensichtlich des Irrglaubens sind.

Des Genies Einschnitt: Slot im Kopf

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TRANSCENDENCE Wills Steckplatz am Schädel ist nicht von Evelyns (l.) Hand zu weisen.

Man könnte auch sagen, dass der Ritus: Appell zum Cyber-Antiseptikum, um Wills Leben zu retten, mehr Fragen aufwirft als beantwortet, und Evelyns abgöttische Liebe und Tatkraft den Lauf von „Transcendence“ festlegt. Dieser Vorgang gibt uns die Möglichkeit verzerrte Bilder von Depp auf einem Bildschirm zu sehen. Es ist eine metaphysische aber praktische Intention. Wills Körper stirbt, aber sein Geist ist ein Muster aus elektronischen Signalen im Supercomputer. Ähnlich seiner Stimme, die alsbald aus anderen virtuellen Charakteren spricht.

„Ich hoffe, dass das ein Scherz ist. Will ist kein Affe!”, lehnt sich Max Waters (Paul Bettany) – „Marvel’s The Avenger“, 2012, – gegen die abwegige Proposition auf: „Angenommen das Implantieren einer Elektrode in sein Gehirn würde ihn tatsächlich nicht umbringen, und es funktioniert, erhalten wir bestenfalls eine digitale annähernde Kopie von Will. Wenn wir irgendetwas vergessen, egal was, einen Gedanken, oder eine Kindheitserinnerung, woher wissen wir mit wem wir es letztlich zu tun haben?” Solche und ähnliche Sätze sind typische Dialoge in „Transcendence“, in denen das Skript keinen blassen Schimmer von den Antworten hat, um auf die Frage von Max zurückzukommen.

Koryphäe spricht aus dem Jenseits 

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TRANSCENDENCE Evelyn (r.)  und Max (Paul Bettany) sind hin und weg: Dr. Casters Stimme ist nun eine auditive Anordnung von rot-grünen Leuchtdioden.

Will (im Computer lebend) und Evelyn kaufen eine kleine Stadt in der Mitte von Nirgendwo in der Wüste von New Mexico. Daraus soll Wills Eden entstehen. Ein Heer von Arbeitern wird mobilisiert, um ein unterirdisches Datenzentrum zu konstruieren, mit Meilen von Quantenprozessoren angetrieben durch Meilen von Sonnenkollektoren, die Sie nur in Sci-Fi-Thrillern vorfinden, und mit Hilfe der Nanotechnologie. Die Stadtbewohner, einschließlich Martin (Clifton Collins Jr.) – „Pacific Rim“, 2013, – den Bauleiter, in einen Nano-Polier zu verwandeln, in ein Rennen der unkaputtbaren Drohnen und Schergen: den Caster-Hybriden. Und bald kollidieren die Welten der Über-Technologie und Über-Menschlichkeit. 

Immerhin löst sich die Datenübertragung auf und die darin enthaltenen gespeicherten Zahlenwerte schweben wie ein grippaler Infekt durch Zeit und Raum. Also, die „Bits & Bytes“-Bakterien-Armeen marschieren als unsichtbare Militärtruppen in einem kommunistischen System auf und programmieren die Elemente des Lebens – Feuer, Wasser, Luft und Erde – in etwas Bösartiges um, das Casters wunderbares Eden werden soll. Wie so etwas überhaupt möglich ist, begründet der Film genau so wenig wie er definiert, dass ein Mensch aus Fleisch und Blut in einen TB-Fluss zusammen strömt bzw. die ganze Welt in Yottabytes. Und Pfisters Kilobyte-Fresser bevorzugt dringlich Authentizität, die sein Inhalt für die unumgänglichen Erörterungen in allen Einzelheiten benötigt, weil Pfister dem Zuschauer diesen kryptisch-ungereimten Kabelsalat näher bringen möchte, indem er auf Übersinnlichkeit setzt. Der Regisseur zeigt wie Dr. Casters künstliche Zellen im Nullkommanichts blinde und andere todkranke Menschen heilt. Und plötzlich werden selbst die letzten Zweifler eines Besseren belehrt…

Wer Wind sät, wird Sturm ernten

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TRANSCENDENCE Martin (Clifton Collins Jr., r.), hier als Hybride vernetzt, beschützt Evelyn vor dem FBI, das bereits Casters Eden ausräuchert.

Die Radikalinskis dürfen mit dem FBI-Agenten Buchanan (Cillian Murphy) – „Inception“, 2010, – zusammen arbeiten, dem Militär-Colonel Stevens (Cole Hauser) – „2 Fast 2 Furious“, 2003, – und Wills ehemaligen Mentor Dr. Joseph Tagger (Morgan Freeman) – „Lucy“, 2014. Und das obwohl Bree (Kate Mara) – „Iron Man 2“, 2010, – die stählern-blonde Anführerin der Fundamentalisten, andere führende Wissenschafter hinrichten lässt (zeitgleich zum Will-Caster-Anschlag), darunter auch den „Arzt und Dämon“-Dr. Casey, dessen Alter Ego vermutlich als Rhesusaffe die KI-Forschung weiter betreibt, der Film uns nur die Szenen zu zeigen verweigert wie ein vierhändiges antikes Herrentier die Schlüssel aus der Innentasche seines Jackets zückt, um im Labor ein- und auszugehen und höchstwahrscheinlich essbare Bananen synthetisiert.

Dr. Casey ist nämlich die Quelle von Casters Internet-Degradierung. Wer genau überprüft, beobachtet wie Evelyn Caseys Dokumente durchstöbert, nachdem er den Technikfeinden zum Opfer fällt. Und diese Textdatei bringt Evelyn nicht nur auf den Plan den sterbenskranken Will in ein Glasfasernetz zu spinnen, sondern dient auch als Beweisstück, dass Dr. Casey postwendend vor dem Ableben sein gesamtes Wissen an einen Rhesusaffen weiter reicht. Ergo, Casey lebt im wahrsten Sinne des Wortes als Primatologe. Eben solche paradoxe Zusammenhänge sind ebenfalls nur in „Transcendence“ möglich.

Die Welt ist nicht genug

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TRANSCENDENCE Fundamentalistin Bree (Kate Mara) geht über Leichen.

Also, diese neue Heimat von Will – er spricht zu Evelyn aus riesigen Monitoren, Lautsprechern, Headsets und Servern – nicht über Liebe und romantischen Existentialismus, da die Liebesgeschichte jetzt im Hintergrund herausfordert – ist das digital-paradiesische Eden. Und was dieser EDV-Will will, ist die Weltherrschaft. Wieder geboren im Netz und inzwischen mit dem Cyberspace verheiratet, wird Depps Charakter ein habsüchtiger, machthungriger und gereizt-ungenießbarer Datenstrom, der überall seine Hände im Spiel hat, weil er Evelyns Traum einer neuen Welt umgesetzt sehen möchte. Und Bree hat von Wills wundersamer Wandlung Wind bekommen. „R.I.F.T.” entführt seinen Freund und Kollegen-Wissenschaftler Max Waters. Und die Terroristen versuchen PINN zu stürzen.

Was wir am Ende verstehen, ist ein übernatürliches Betriebssystem mit mehreren Programmierfehlern, den auftretenden Logiklücken vor allem im technischen Bereich. Es gibt keinen Versuch die erweiterte philosophische Kluft zwischen Evelyn und Max zu erschweren, der ein Kreuz um seinen Hals trägt, und von den Schlussfolgerungen Evelyns Vorschlag entsetzt ist. Max ist als moralisches Bewusstsein des Films implementiert. Zuerst hat er sich mit den Casters verkrochen und später wird er von „R.I.F.T.” (der verkrusteten Bande von Extremisten) in einen Käfig gesperrt, um ihn verbal weichzukochen. Seine Sympathien verlagern sich, aber es gibt kein Drama in der Programmänderung. Das Schaltorgan Max wird einfach gekippt, indem ihm Bree von Dr. Thomas Casey erzählt, den sie schon längst zum „Jim Pansen” machte, oder wie in „Transcendence“ dargestellt: der, der als unsichtbarer Geist unter der Erde verweilt.

CPU: PINN

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TRANSCENDENCE FBI-Mann Joseph Tagger (Morgan Freeman, v. l.), Agent Buchanan (Cillian Murphy) und Evelyn sprechen mit dem Meisterkontrollprogramm PINN = Caster.

Morgan Freeman spielt Joseph Tagger, den Mentor von Evelyn und Will, der seinen Augen nicht trauen kann, als er zuerst Will 2.0. begegnet. Cillian Murphy ist der FBI-Agent, der von der Künstlichen-Intelligenz-Version Wills überzeugt ist und so viel Macht stapelt, dass er sich zur größten Bedrohung aufspielt, um die Welt zu befreien, die sie je gekannt hat. Kate Mara, mit Lidstrich-Intensität, ist Bree, die Anführerin des Anti-Technologiekonzerns. Bree entwickelt sich immer weniger durchgeknallt als sich der Verlauf der Geschichte ausbreitet.

Aber was man sagen kann, ist, dass die Charaktere in „Transcendence“ alle leichenraubend sind. Es gibt einen nominellen Höhepunkt, in dem Freeman, Bettany, Mara, Murphy, Hauser und ein paar andere Leute auf einem Dach stehen, sich einander ansehen und nur die Auslegung der Zerstörung verhandeln. Und Depp sieht so aus als würde er buchstäblich über Skype zu uns sprechen, mit den herkömmlichen Übertragungs-Fluktuationen. Es ist schwer zu sagen, wer verrückter ist: die naiv-klugen Technologie-Förderer wie Dr. Will Caster, oder die radikal-überzeugten Technikfeinde der sogenannten Untergundbewegung.

Zwischen den Fronten

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TRANSCENDENCE Max Waters (l.) möchte Evelyn davon überzeugen, dass sie sich von Will trennen muss.

Regisseur Pfister ergreift die Optik rigoros. Keine Frage, der Ex-Kameramann befriedet das Publikum mit größtenteils gediegenen Bildern von massiver Beschaffenheit. Er impliziert auch die Stilleben-Fotografie, wie zum Beispiel die weinende Sonnenblume als Metapher für die Zerstörung der Natur. Eine klar und kühl blickende, wenn auch traurige Illustration, für die jedoch Pfister kein Ende konfiguriert hat, sondern eine übernatürliche Alibifunktion. Als Will kurz zuvor ein physisches Surrogat für Evelyn vorschlägt, also er selbst aus den Datenstromfluss als Holografie heraussteigt, um sie schließlich zurückzugewinnen, zuckt sie angeekelt zurück. So hat sie sich ihren Ehemann nicht vorgestellt, der mit der Abrakadabra-Zauberformel die Welt beherrscht und Adam und Eva in seinem Digi-Eden für einen Neustart einkerkert. Aber da beendet Will die Entwicklung von seiner evolutionären Fähigkeit, die ihn zu einem Gott erhebt …

Transcendence; OT: Transcendence, USA 2014; Länge: 113 Min.; Regie: Wally Pfister; Darsteller: Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Cillian Murphy, Kate Mara, Cole Hauser, Morgan Freeman, Clifton Collins Jr.; Drehbuch: Jack Paglen; Kamera: Jess Hall; Musik: Mychael Danna; Produktion: Kate Cohen, Broderick Johnson, Andrew A. Kosove; Schnitt: David Rosenbloom; Genre: Action-Sci-Fi-Thriller; FSK: ab 12; Verleih: Tobis Film

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