UNBROKEN

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ZWEITES-WELTKRIEGS-DRAMA „UNBROKEN“: ANGELINA JOLIES („IN THE LAND OF BLOOD OF HONEY“, 2011) ZWEITE REGIEARBEIT BASIEREND AUF LAURAS HILLENBRANDS ROMAN „UNBEUGSAM: EINE WAHRE GESCHICHTE VON WIDERSTANDSKRAFT UND ÜBERLEBENSKAMPF“, IST EINE SOLIDE, MEIST UNBEHOLFENE WEHMÜTIGE ADAPTION. – ANRÜHREND-SCHÖNES NOSTALGISCHES UND SEICHTES EPOS VOLLER KLISCHEES 

Unbroken

„Unbroken”: Angelina Jolies („Maleficent – Die dunkle Fee“, 2014) spärliche (und zumeist langweilige) Biografie ist ein Hit für den Hollywood-Feminismus. Louis Zamperini (Jack O’Connell) – „’71: Hinter feindlichen Linien“, 2014), – ein Junge aus Kalifornien, der italienische Einwanderer-Eltern aufweist, schält sich aus der Jugendkriminalität, um bei der Olympiade in Berlin (1936) als Langstreckenläufer zu konkurrieren. Im Krieg überlebt Zamperini einen bombastischen Flugzeugabsturz im Pazifik, isst Fischgräten, verbringt Wochen treibend in einem Rettungsboot und erträgt Jahre besonders brutalen unmenschlichen Abfolgen von japanischen Kriegslagern. Spannungsarme Romanverfilmung, aber visuell fabelhaft. 

Unbroken: Zamperini läuft wie verrückt

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UNBROKEN Louis Zamperini (Jack O’Connell) hampelt im College allen auf und davon.

Die Freigabe des Dramas „Unbroken“ ist in der Tat kraftvoll und bewegend. Wie Louis Zamperinis (Jack O’Connell) – „300: Rise of an Empire“, 2014, die Unglaublich-wahre-Geschichte versteht, sei es im Leben oder im Film, ist eine offene Frage. Wir können sagen, dass einige Leute Reserven an Mut und Kraft in sich tragen, die die meisten von uns nicht besitzen und es dabei belassen. Es gibt keine zwangsläufige Moral: Zamperini ist jung und stark und glücklich und überdauert Umstände, unter denen Tausende und Abertausende von anderen starken jungen Männern sterben würden.

Wenn seine Geschichte die Hollywood-Filmemacher beeindruckt, vor allem, weil es ein überzeugendes fulminantes Abenteuer ist, das Verschiebungen von einer Episode zur nächsten auf freien Fuß setzt, wie ein „Indiana Jones“-Film den „Heiligen Gral“ hütet, gibt es noch einen weiteren Grund. Es kann in banalen Begriffen wie etwa die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Glaubens beschrieben werden, während nicht allzu subtil ein Argument vorträgt, dass der menschliche Geist sich in Amerikanern noch ein bisschen stärker als in anderen Menschen niederschlägt, selbst wenn italienisches Blut in ihren Körpern zirkuliert. Des Dramas Fehler ist aber, dass es nur einen Teil dieses heldenhaften und inspirierenden Leben umfasst.

Unbroken: Episch-mysteriöses Spektakel

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UNBROKEN Oberbefehlshaber Watanabe (Miyavi, l.) sorgt gegenüber Louis für höllische Spannung in seinem Kriegslager.

Jack O’Connell, ein unbekannter irischer Schauspieler, zeigt eine fesselnde, nägelbeißende Ausführung, die unter die Haut und Knochen geht, in der eine stolze, unerschütterliche gelassene Gleichmut verharrt. Sein Gegner ist der japanische Rockstar Miyavi (der berüchtigte Mutsuhiro Watanabe, ein Kriegsverbrecher aus dem wirklichen Leben), gespielt mit lüsternen Eifer von Miyavi, ein milchgesichtiges Baby-Monster, das sich der Scham und Demütigung entwöhnt. Die Gefangenen sind in Roger Deakins weichgespülter, herrlich altmodischer Kamera gefangen und von Alexandre Desplats kühner Filmmusik begleitet. Als ein Schmachtfetzen ist „Unbroken“ unterhaltsam, aber er fühlt sich ein bisschen wie ein nachträglicher Einfall an. 

Das Melodram verfügt über hervorragende Kameraarbeit und ein Langzeitentwicklungs-Skript, dessen anerkannte Schriftsteller Joel und Ethan Coen, Richard LaGravenese, „Menschenkind“, 1998, und William Nicholson, „Gladiator“, 2000, einschließen. Das Drehbuch kommandiert Flugzeuge und Haie und tosende Menschenmengen vor Hakenkreuzfahnen und dem sadistischen japanischen Soldaten Watanabe. Das Problem ist, dass „Unbroken“ mit jedem anderen Kriegsgefangenen-Film verschmilzt, und jedem anderen Rettungsboot-Film, den man je gesehen hat. Eine Woche, nachdem man „Unbroken“ gesehen hat, ist man sich nicht sicher, ob man sich an „Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence“, 1983, oder an „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“, 2012, erinnert. O’Connell soll einen kraftstrotzenen Eindruck hinterlassen, aber er kommt nur von Bord als anderer Pseudo-Held mit kantigem Kinn. Offenbar hat der Kinogeher O’Connell mit Hugh Jackman in „Wolverine: Weg des Kriegers“, 2013, verwechselt, der in jedem Fall sehenswerter ist.

Unbroken: Angelina Jolie & Louis Zamperini

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UNBROKEN Regisseurin Angelina Jolie (l.) mit Louis Zamperini, der letztes Jahr im Alter von 97 Jahren von uns gegangen ist.

Laura Hillenbrands 2011er-Biografie, „Unbroken“, präsentiert ein vollständiges Porträt des Olympiabahn-Stars Zamperini, der die Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs in den japanischen Gefangenenlagern überlebt. Die physikalischen und internen Kriege Zamperinis, der im Alter von 97 verstarb, konfrontiert und überwältigt inspirierte zahllose Leser, die „Unbroken“ auf verschiedenen Bestsellerlisten seit Jahren halten. Jolie war unter den Lesern, die sich durch seine Geschichte bewegte.

Und es gibt keinen Zweifel daran, dass ihr zweites Studienjahr im Regiestuhl, ihr Herz und Seele an der richtigen Stelle heraufbeschwört. Aber das Drama, das sie in so mühevoller Kleinarbeit auf den Bildschirm mit optischer Pracht und technischer Verfeinerung konstruiert, verbringt zu viel Zeit während Zamperinis Kriegsjahren und nicht genug vor und danach. Während die Ereignisse der Filmdetails offensichtlich den primären Elementen in dieser Geschichte des Überlebens gewidmet sind – die 47 Tage, die er auf einem treibenden Schlauchboot im Pazifik hinlegt, nachdem sein Flugzeug abgeschossen wird, und die Folter, die er in den Händen eines sadistischen Gefängniswärter ertragen muss – sind nur ein Teil seiner Geschichte.

Unbroken: Pazifische Wasserung

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UNBROKEN Als ihr Flugzeug abgeschossen wird, müssen die Soldaten auf dem Pazifischen Ozean notwassern.

Während eines Rettungsfluges über dem Pazifik, am 27. Mai 1943, erhält Louis’ Mannschaft den Auftrag, mit einem anderen Bomber, der „Green Hornet“, eine vom Kurs abgekommene und vermisste Crew auf Palmyra zu suchen. Auf ihrem Erkundungsflug versagt Zamperinis Flugzeug mit mechanischen Problemen und stürzt ins Meer, tötet die ganze Mannschaft mit Ausnahme von Louis, Phil und dem Heckenschützen Mac (Finn Wittrock) – „Noah“, 2014. Sie holen das Schlauchboot heraus und treiben hilflos 47 Tage auf offener See, treten Haien, dem Hungerstod plus feindlichen Feuer mit Fassung gegenüber, und überleben knapp an den wenigen Fischen, die sie mit ihren bloßen Händen fangen und verschlingen.

Der britische Schauspieler Jack O’Connell, der in dem Gefängnisdrama „Mauern der Gewalt“, 2013, überzeugt, und von dem plötzlich jeder schwärmt, ist eindeutig in der Lage gewichtiges Material zu stemmen. Er schmeißt sich in die Rolle und zapft Zamperinis unbeugsamen Willen zum Überleben an. Es ist eine körperlich anstrengende Arbeit – er verlor (wie so viele andere Inhaftierte) über 12 Kilo, um Zamperinis unterernährte Hagerkeit während der Kriegsgefangenenlager zu demonstrieren – und er tut sich beim Laufen hervor. Auch hervor tut sich Russell Allen „Phil“ Phillips (Domhnall Gleeson) – „Alles eine Frage der Zeit“, 2013, sein Kamerad und Befehlshaber John Fitzgerald (Garrett Hedlund) – „TRON: Legacy“, 2010, ein Kriegslager-Gefährte und ebenfalls Überlebender, der auch durch Zamperinis Entschlossenheit bewegt ist, um auf eigene Faust das Richtige zu tun.

Unbroken: Schlauchboot über Bord!

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UNBROKEN Louis (l.), Phil (Domhnall Gleeson, M.) und John (Garrett Hedlund) essen Fisch auf japanisch – roh.

Unglücklicherweise ist es den Soldaten nicht erlaubt, viel mehr zu tun als erschütternde Wetter-Kapriolen zu durchstehen aufgrund eines überraschend traditionellen Skripts. Das heißt, Jolie hat ein paar atemberaubende Action-Stücke kreiert (oder war es ihr Kameramann?), von einem ätherischen Luftkampf in der Eröffnungssequenz bis zu den Tagen auf dem Rettungsboot. Sobald die Männer von den Japanern gefangen genommen werden, gerät der Film ins Stocken, und das Publikum wird mit der grausamen und erniedrigenden Behandlung durch die Mangel gedreht, sodass Zamperini durch die Hände des Gefängniswärters, Mutsuhiro Watanabe, sich schon beinahe zu Tode langweilt.

Außer Latrinen putzen und Knast-Futter steht nicht viel auf der Tagesordnung, zudem findet sich der Zuseher mehr in einem Pfadfinderlager, wo der geschwächte Langstreckenläufer von Mayavis Watanabe zu einem Wettrennen gedemütigt wird. Folterungen, wie wir sie zu Kriegszeiten verstehen: Auspeitschungen, Einzelhaft, psychopathische Spiele wie „Russisches Roulette“, Vergewaltigungen, schizophrene Bestrafungen wie Geißelungen, das Abtrennen von Gliedmaßen, Kopfschüsse durch den wahnsinnigen Watanabe oder gar Selbstmorde und so weiter, verfehlen in diesen Kriegsfilm-Baracken ihr Ziel, wo selbst Maschinengewehr-Salven oder Fluchtversuche verstummen. Genau so hätte Zamperini den Rockstar-Watanabe zu einem Karaoke-Ausscheid aufforden können!

Unbroken: Morgendliche Gymnastik

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UNBROKEN Unter Aufsicht des Oberbefehlshaber Watanabe lockern wir uns in Reih und Glied.

Es ist schade, dass sich der Rest des Films wie ein Dauertest anfühlt. Ja, einige dieser Szenen sind vital, aber von den zu vielen Einstellungen ist das Ergebnis betäubend. Darüber hinaus geht die Zeit, die der Film hier verbringt, auf Kosten der anderen Facetten von Zamperinis Leben drauf. Das Drehbuch sprintet zu schnell durch die frühen Jahren der Stadt Torrance, die im Osten an Los Angeles grenzt, von seiner Laufbahn bis zu seinem Auftritt bei der Olympiade, 1936, in Berlin. 

Und was nach dem Krieg passiert – Zamperinis Kampf mit posttraumatischer Belastungsstörung, das Tischgebet, das er in seinem christlichen Glauben und seiner bemerkenswerten Vergebung seiner Peiniger entdeckt – stehen sinnbildlich für den Epilog kurz vor dem Abspann. Nur ein Teil dieser Erlösungs-Schilderung wird dem Zuseher näher gebracht. Während „Unbroken“ seine Streitfragen hat, ist Zamperinis Geschichte nicht eine davon. Und Sie verlassen das Kino, um mehr über diesen Mann zu erfahren, wie ist er den Fußeisen der Finsternis entkommen, und wie wendet er seine Verzweiflung in Vergebung um? Dafür müssen wir Sie aufmerksam machen, auf das Buch zurückzugreifen.

Unbroken: Furiose, fantastische Action

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UNBROKEN Watanabe (Miyavi, r.) ist ein fieser Kriegsverbrecher und jagt den 5000-Meter-Olympiateilnehmer Louis Zamperini (M.) durchs Lager, danach verprügelt er ihn.

Es ist fast verwunderlich, dass eine Version von „Unbroken“ nicht um 1959 gedreht wurde, mit Tony Curtis, der Zamperini spielt und jemanden wie Stanley Kramer, der bei dem Film Regie führt. Aber es ist nicht geschehen, und die ganze Geschichte ebbte in der Historie für viele Jahre ab. Zamperini nahm an den Olympischen Winterspielen, 1998, in Japan teil, als Fackelläufer, und trifft sich mit einigen seiner Geiselnehmer aus den Jahren der Kriegsgefangenschaft. Das brachte seine Geschichte wieder ins Rampenlicht der Medien und schließlich Hillenbrand, die Autorin von „Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg“, 2003, fand heraus, dass Zamperini noch lebte und einen Bestseller-Bericht über seine Abenteuer schrieb, der wiederum zu einem heißen Hollywood-Eisen wurde.

Unbroken: Gefühlskino mit Anspruch

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UNBROKEN Ungewöhnlich aber wahr – Miyavi (l.) lässt den dürren Louis (r.) durchs Lager preschen, doch der Olympia-Teilnehmer verliert das Wettrennen gegen einen Japaner.

In dieser Geschichte übernimmt Zamperinis Erzählung den Platz der militärischen Intensität ein, die die Übernahme von zuverlässiger Kriegs-Vereinfachung entspricht. Seine Kriegserfahrungen werden fast ausschließlich durch Action-Maßnahmen statt Dialog berichtet, die in einen Zustand epischer Metapher gelangt. Wenn Watanabe den Olympia-Teilnehmer im Lager auswählt – zwingt er die Kriegsgefangenen in Zamperinis Gesicht zu schlagen oder lässt ihm eine Eisenstange emporhalten, aus Furcht, dass er nicht erschossen wird – ist es eine Serie von Boxenstopps auf einer Reise in die Hölle und wieder zurück.

Es ist überraschend, dass Jolies Zartgefühl sich so gut mit dieser althergebrachten Saga vernetzt, nichtsdestotrotz geht die zweite inszenatorische Bemühung der Filmemacherin mehr mit Gerechtigkeit zum Thema um. Zamperini hat eindeutig eine stählerne Fähigkeit schlimmsten Szenarien zu widerstehen. „Unbroken“ fragt sein Publikum dasselbe zu tun, und belohnt es mit einer unvergesslichen Rückkehr des Scheins.

Unbroken: Zamperini und der Lagerkoller

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UNBROKEN Louis Zamperinis (M.) tödliche Erinnerungen sind aufregend und ungewöhnlich oberflächlich.

Achtung: potentielle Spoiler!

Hintergrundinformationen zu „Unbroken“ 

•) Für den Film wurden einige Begebenheiten gestrichen oder der Dramaturgie wegen anders dargestellt, als im Buch und somit der Realität. 

•) So wurde Louis auf Kwajalein Opfer von pseudowissenschaftlichen medizinischen Experimenten, was im Film fehlt. Auch war er vor Ōmori zusammen mit Phil Gefangener in Ōfuna, einem vom Roten Kreuz nicht registrierten Lager-Atoll. Erst Ende September 1944, also bereits nach über einem Jahr Gefangenschaft in Japan, kam Louis nach Ōmori und in die Hände Watanabes. Die Ereignisse, die im Film in Ōmori spielen, fanden zum Teil in der Realität auch in Ōfuna statt. 

•) Die Szene, in denen die Gefangenen Louis auf Geheiß Watanabes schlagen müssen, fand aber in Naoetsu statt. Auch, so die Darstellung im Buch von Laura Hillenbrand, war Louis nicht das einzige Opfer dieser Aktion. Neben ihm wurden vier weitere Männer insgesamt 220 Mal ins Gesicht geschlagen. Im Film war die Weigerung Louis’, als Propagandainstrument eingesetzt zu werden, der Auslöser. In der Novelle wird erwähnt, dass der Diebstahl von Fisch aus der Kantine der Grund war, die Gefangenen zu schlagen.

Unbroken; OT: Unbroken, USA 2014; Länge: 137 Min.; Regie: Angelina Jolie; Darsteller: Jack O’Connell, Miyavi, Domhnall Gleeson, Garrett Hedlund, Jai Courtney, Finn Wittrock, Vinzenzo Amato, Maddalena Ischiale; Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Laura Hillenbrand, William Nicholson, Richard LaGravanese; Kamera: Roger Deakins; Musik: Alexandre Desplat; Produktion: Jon Jashni, Mick Garris, Thomas Tull; Schnitt: Tim Squyres, William Goldenberg; Genre: Zweites Weltkriegs-Drama; FSK: ab 12; Verleih: Universal Pictures; neu auf DVD

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